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Zuerst war ich überrascht.
Dann einfach begeistert.

Mindestkapital

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10.000 EUR Mindeststammkapital für eine österreichische GmbH? Das ist nicht viel Geld für eine Firmengründung, so könnte man meinen. Doch die Realität im Jahre 2014 sieht in Österreich leider ganz anders aus: Vor allem junge Start-Ups und viele bereits aktive Kleinunternehmer können (oder wollen) das Stammkapital für eine GmbH-Gründung aus eigenen Mitteln schlichtweg oft nicht aufbringen.

Vor allem wenn auf Förderungen und eine Fremdfinanzierung verzichtet wird, müssen so einige Monatsgehälter im Vorfeld nebenbei angespart werden, so dass sich die Kapitalaufbringung aus eigenen Mitteln äußerst zähflüssig und schwierig gestaltet. 

Zugrunde liegt der Mindestkapital-Regelung die Idee des Gläubigerschutzes. Wenn die persönliche Haftung schon ausgeschlossen ist, dann soll zumindest eine Mindestmasse an Haftungskapital da sein, mit dem eventuelle Gläubiger im Falle eines Falles befriedigt werden können. Das Konzept hat sich in der Vergangenheit allerdings als völlig unzureichend erwiesen, denn das Stammkapital einer Gesellschaft wird nach der Gründung ja nicht etwa eingefroren oder zur Seite gelegt, sondern es steht den Unternehmer vollständig zur Verfügung und er kann es für betriebliche Zwecke sofort wieder ausgeben. 

Geht eine Firma später in Konkurs, ist davon in der Regel nicht das Geringste mehr übrig. Ganz im Gegenteil sind solche Firmen schon längst in die Miesen gerutscht, so dass es hier in der Regel für Gläubiger nichts mehr zu holen gibt.

In England hat man deshalb vom Prinzip des Mindeststammkapital als Instrument des Gläubigerschutzes schon lange verabschiedet. Im Zentrum steht hier vorranging das Beleben der Wirtschaft, so dass die Hürden und Hindernisse für Unternehmer erklärtermaßen so klein wie möglich gehalten werden sollen, was sich auch in der letzten Gesellschaftsrechtsreform in 2012 wiederspiegel: Think small first, lautet der Slogan, denn die überwiegende Mehrheit der englischen Betriebe sind Klein- und Kleinstunternehmer, die völlig andere Bedürfnisse haben als im Gegensatz dazu KMUs oder Großunternehmen. 

Da die Angst vor einem Scheitern einer der Hauptgründe ist, eine unternehmerische Tätigkeit gar nicht erst aufzunehmen, ist Haftungsschutz in England für jedermann zugänglich, denn für die Gründung einer Gesellschaft mit Haftungsschutz ist kein Mindestkapital vorgeschrieben. 

Es genügt wenn die Inhaber jeweils einen ein Pfund einbezahlen (auch Euro oder beliebige andere Währungen sind als Firmenwährung seit längerem möglich). Hat die Gesellschaft dann Geld erwirtschaftet, kann - falls erforderlich - das Gesellschaftskapital immer noch erhöht werden. Von den 2.700.000 Limited Companies in Großbritannien kommt das Gros derzeit aber ganz vorzüglich ohne nennenswertes Stammkapital aus.